|
meine Seite im Schülernetz der Akademie Seegau Seid freundlich gegrüßt. Mein Name ist Wendelin Lichtenau. Ich bin im 2. Lehrjahr an der Akademie von Seegau und besuche den Lehrgang Sprache und Fremdsprachen mit dem Schwerpunkt Schrift, Stil und fremde Zungen. Ich stamme nicht aus dem Seegau, sondern aus dem Stadtstaat Münsterhall. Meine Familie lebt dort im Gelehrten- und Schreibviertel unweit des Münsters. Mein Vater, Vitus Lichtenau, handelt mit guten Büchern, Schreibwaren, feinem Papier und kleineren Glasarbeiten für Kanzleien und gebildete Häuser. Meine Mutter, Magdalena Lichtenau, entstammt einer alten Kaufmannsfamilie und führt das Haus mit großer Sorgfalt; außerdem unterstützt sie meinen Vater in Fragen des Empfangs und der besseren Kundschaft. Ich habe noch eine ältere Schwester, die in Münsterhall mit Musik- und Sprachunterricht befasst ist. Da meine Familie in geordneten und nicht schlechten Verhältnissen lebt, war es mir möglich, zum Studium nach Großeichen zu gehen. Ich weiß sehr wohl, dass dies keine Kleinigkeit ist, wenn man als Fremder in einem anderen Mitglied des Reichsbunds lernen will. Umso dankbarer bin ich dafür, an einer so renommierten Akademie studieren zu dürfen, deren Name weit über das Seegau und selbst über den Reichsbund hinaus geachtet wird. Gerade der Reichsbund macht ein solches Studium für Leute meiner Art erst wirklich möglich. Er dient nicht bloß dem Schutz und dem Handel, sondern auch der Verständigung, Wissenschaft und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen seinen Mitgliedern. Darum ist es nicht bloß geduldet, sondern im Grunde sehr sinnvoll, wenn einer aus Münsterhall in Seegau lernt, ein anderer aus Seegau nach Eisenstein geht oder ein Gelehrter aus Südfelde in den Nordlanden lehrt. Ich halte das für eine der besten Seiten des Bundes. An meinem Lehrgang mag ich besonders, dass er nicht nur Wörter sammelt, sondern den ganzen Verkehr der Menschen ordnet: Schrift für das Beständige, Stil für das Angemessene und die fremden Zungen für die Verbindung zwischen Ländern, Häusern, Märkten und Ämtern. Sprache ist niemals nur Zierde. Sie ist Mittel der Verständigung, des Rechts, des Handels und nicht selten auch des Friedens. Ich bin Mitglied im V.C. Seebund und wohne auch im Conventshaus. Das passt gut zu mir, weil der Seebund weltläufig, redegewandt und dem Verkehr mit Handel, Sprache und Fernverbindungen nahe steht. Seine Farben blau-weiß-silber gefallen mir übrigens auch sehr. Im Hause findet man fast immer jemanden, mit dem sich über Bücher, Länder, Sprachen, Häfen, Kaufmannschaft oder auch bloß gute Tischgespräche reden lässt. Ein paar Dinge über mich
Was ich später einmal machen möchte Später möchte ich sehr gern im Ministerium des Reichsbunds arbeiten. Am ehesten zieht es mich in den Bereich Wissenschaft, und dort wieder in eine Stelle, die sich mit Schriftverkehr, sprachlicher Verständigung, Anerkennung gelehrter Abschlüsse und der sprachlichen Ordnung zwischen den Mitgliedern befasst. Ich stelle mir darunter eine Arbeit vor, die weder bloß trockenes Abschreiben noch bloß freie Gelehrsamkeit ist, sondern beides klug verbindet. Der Reichsbund lebt davon, dass Länder mit verschiedener Rechtsform, Geschichte und Sprache einander überhaupt verstehen können. Wer Gewichte und Zölle ordnet, muss Begriffe sauber fassen. Wer wissenschaftliche Abschlüsse zwischen den Mitgliedern anerkennen will, braucht klare Schriftstücke. Wer Gelehrte, Kaufleute oder amtliche Stellen über Ländergrenzen hinweg zusammenbringen will, benötigt Leute, die im Ausdruck sicher und in fremden Zungen gewandt sind. Besonders reizen würde mich eine Tätigkeit in einer Art Bundesstelle für sprachliche Verständigung und gelehrten Schriftverkehr. Eine solche Stelle könnte Abschriften prüfen, Formulare vereinheitlichen, mehrsprachige Hinweise und Vertragsmuster ausarbeiten, Lehrzeugnisse aus verschiedenen Mitgliedern vergleichbar machen und bei wissenschaftlichen Zusammenkünften oder amtlichen Verhandlungen vermitteln helfen. Gerade weil der Reichsbund kein Einheitsreich ist, sondern ein Verbund selbständiger Gemeinwesen, braucht er solche Brücken. Mir gefällt an diesem Gedanken, dass er nicht nur meinem Lehrgang entspricht, sondern auch dem eigentlichen Sinn des Bundes: Verständigung, Wissenschaft und Zusammenarbeit. Wenn ich später dazu beitragen könnte, dass ein Gelehrter aus Münsterhall in Seegau leichter lehren darf, ein Schüler aus Seegau in Südfelde nicht an bloßen Formfehlern scheitert oder ein gemeinsames wissenschaftliches Vorhaben zwischen mehreren Mitgliedern in klarer, verständlicher Sprache geführt wird, dann hielte ich das für eine sehr gute und ehrenhafte Arbeit.
|